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Wissen kompakt

Alles Wichtige rund ums Bodenseeschifferpatent in 11 Bereichen. Tippe auf einen Bereich, um ihn zu öffnen. Vereinfacht erklärt, verbindlich ist die Bodensee-Schifffahrts-Ordnung.

Patentpflicht und KategorienWann du ein Patent brauchst und was es erlaubt

Wann brauche ich ein Patent?

Für Motorboote mit mehr als 4,4 kW (rund 6 PS) und für Segelboote mit mehr als 12 m² Segelfläche. Hat ein Segelboot einen Motor über 4,4 kW, brauchst du zusätzlich Kategorie A. Darunter darfst du ohne Patent fahren, das Boot braucht aber trotzdem ein Kennzeichen.

Die vier Kategorien

Für Freizeitskipper sind A und D wichtig. B und C sind für die Berufsschifffahrt.

Patentkategorien
KategorieFürMindestalter
AMotorboote über 4,4 kW18 Jahre
BFahrgastschiffe, schließt A ein21 Jahre
CGüterschiffe und schwimmende Geräte mit Antrieb, schließt A ein21 Jahre
DSegelboote über 12 m²14 Jahre

Wo und wie lange es gilt

  • Auf dem ganzen Bodensee mit Überlinger See, Untersee und Seerhein bis Stein am Rhein.
  • Für den Hochrhein bis Schaffhausen gibt es eine eigene Erweiterung, Voraussetzung ist Kategorie A.
  • Das Patent gilt unbefristet. Bei Verlust stellt das Amt eine Ersatzausfertigung aus.
  • Mit dem Bodenseeschifferpatent kannst du dir den Sportbootführerschein Binnen ohne weitere Prüfung ausstellen lassen.
Regeln auf dem WasserUferzone, Tempo, Ausweichen und Vorrang

Zahlen, die du kennen musst

  • 300 mUferzone, gemessen vom Ufer oder vom Schilfgürtel. Motorboote fahren hier nur zum An- und Ablegen.
  • 40 km/hHöchstgeschwindigkeit auf Obersee und Untersee
  • 10 km/hAuf Seerhein und Altem Rhein sowie beim An- und Ablegen
  • 50 mMindestabstand zu Tauchstellen mit Flagge A und zu Fischerbooten mit Ball

Ausweichen und Vorfahrt

Die wichtigsten Grundregeln, vereinfacht. Vorrangfahrzeuge mit grünem Ball haben immer Vorfahrt.

weicht aushat Vorfahrt

Kurse kreuzen sich

Zwei Motorboote: Wer das andere Boot rechts von sich sieht, weicht aus.

beide nach Steuerbord (rechts)

Entgegenkommend

Zwei Motorboote auf Gegenkurs: Beide weichen nach rechts aus.

Maschine weichtSegel hat Vorrang

Motor trifft Segel

Fahrzeuge mit Maschinenantrieb weichen Segelbooten aus.

  • Wer überholt, hält sich frei vom überholten Boot.
  • Segelboote unter sich: Wer den Wind von Backbord hat, weicht aus. Bei gleichem Bug weicht das Boot in Luv.
  • Ausweichen früh und deutlich, damit der andere es erkennt.

Die 300-m-Uferzone

  • Die Zone reicht 300 m weit, gemessen vom Ufer oder vom vorgelagerten Schilfgürtel.
  • Motorboote und Segelboote unter Motor fahren hier nur zum An- und Ablegen, senkrecht zum Ufer auf kürzestem Weg, höchstens 10 km/h. Ausgenommen sind Elektroantriebe bis 2 kW.
  • Wasserskifahren ist in der Uferzone verboten, außer in freigegebenen Startgassen.
  • Achte besonders auf Schwimmer. Sie sind vom Boot aus schwer zu sehen.

Alkohol

Ab 0,8 Promille Blutalkohol oder 0,40 mg/l Atemalkohol darfst du kein Boot führen. Für Fahrgast- und Güterschiffe liegt die Grenze bei 0,1 Promille.

Wetter und SturmwarnungWarnlichter, Windstärken und typische Bodensee-Winde

Sturmwarnung

Orange Blitzlichter rund um den See warnen vor starkem Wind. Bei Sturmwarnung steuerst du den nächsten sicheren Hafen an.

40 Blitze pro MinuteStarkwindwarnung, Böen von 25 bis 33 Knoten (ab 6 Beaufort)
90 Blitze pro MinuteSturmwarnung, Böen ab 34 Knoten (ab 8 Beaufort)

Windstärken nach Beaufort

So liest du Wetterberichte. 1 Knoten sind 1,852 km/h.

Beaufort-Skala bis Sturm
BeaufortBezeichnungKnotenAuf dem See
0Windstilleunter 1spiegelglatt
1leiser Zug1 bis 3kleine Kräuselwellen
2leichte Brise4 bis 6kleine Wellen
3schwache Brise7 bis 10erste Schaumköpfe
4mäßige Brise11 bis 16viele Schaumköpfe
5frische Brise17 bis 21überall Schaumköpfe
6starker Wind22 bis 27größere Wellen, Starkwindwarnung
7steifer Wind28 bis 33Wellen türmen sich
8stürmischer Wind34 bis 40Sturmwarnung

Typisch Bodensee

  • Morgens ist es oft ruhig, am Nachmittag frischt der Wind häufig auf.
  • Im Osten des Sees kommt es oft zu Föhn, der schnell kräftig werden kann.
  • Gewitter und Fallwinde aus den Bergen kommen manchmal sehr plötzlich. Achte auf dunkle Wolken über dem Ufer.
  • Vor jeder Fahrt Wetterbericht prüfen, unterwegs die Warnlichter im Blick behalten und lieber früh reffen.
Lichter und SchallzeichenWas bei Nacht und Nebel gilt

Lichterführung bei Nacht und Nebel

So siehst du ein Boot von oben. Die Flächen zeigen, aus welcher Richtung das Licht zu sehen ist.

Topplicht 225°Hecklicht 135°grünrot

Motorboot

Topplicht, Seitenlichter und Hecklicht. Kleine Sportboote dürfen Seitenlichter in einer Laterne zusammenfassen.

Hecklicht 135°grünrot

Segelboot unter Segel

Seitenlichter und Hecklicht oder eine Dreifarbenlaterne im Masttopp.

weiß rundum 360°

Boot ohne Motor oder bis 4,4 kW

Ein weißes Rundumlicht reicht.

  • weiß
  • grün, Steuerbord (rechts)
  • rot, Backbord (links)

Schallzeichen

Ein kurzer Ton dauert etwa 1 Sekunde, ein langer etwa 4 Sekunden, dazwischen rund 1 Sekunde Pause.

  • 1 kurzer Ton: Ich ändere meinen Kurs nach Steuerbord
  • 2 kurze Töne: Ich ändere meinen Kurs nach Backbord
  • 3 kurze Töne: Meine Maschine geht rückwärts
  • 4 kurze Töne: Ich bin manövrierunfähig
  • 1 langer Ton: Achtung, Kurs beibehalten, Hafenausfahrt
  • 1 langer Ton pro Minute: Nebelsignal von Sportbooten
  • 2 lange Töne pro Minute: Nebelsignal von Vorrangfahrzeugen
  • 3 lange Töne: Hafeneinfahrt von Vorrangfahrzeugen
  • Folge langer Töne: Notsignal
Tafeln und ZeichenVerbote, Gebote, Erlaubnisse und Markierungen

Tafeln und Zeichen

Verbote haben einen roten Rand, oft mit Schrägbalken. Erlaubnisse sind blau. Die vollständige Übersicht steht in der Bodensee-Schifffahrts-Ordnung.

  • Durchfahrt verbotenRot, weiß, rot waagerecht
  • Ankern verbotenRoter Rand, Schrägbalken
  • 10km/hHöchstgeschwindigkeitRoter Rand, Zahl in km/h
  • Ankern erlaubtBlaue Tafel, weißes Symbol
  • NaturschutzgebietDreieck mit grünem Rand
  • Weiße BojeFischernetze, Abstand halten

Kursschiffe erkennen

Vorrangfahrzeuge, vor allem Kursschiffe und Fähren, führen am Tag einen grünen Ball und nachts ein grünes Rundumlicht. Halte Abstand zu ihren Kursen und Anlegestellen.

Seemannschaft und KnotenDie Prüfungsknoten und das wichtigste Manöver

Die acht Prüfungsknoten

Jeder kann in der Praxis abgefragt werden. Ohne sichere Knoten gibt es kein Patent.

Prüfungsknoten und ihr Zweck
KnotenWofür
Palstekfeste Schlaufe, die sich nicht zuzieht, zum Beispiel zum Festmachen
WebleinstekLeine schnell an Pfahl oder Reling festmachen
RoringstekLeine sicher an einem Ring befestigen
Schotstekzwei Leinen verbinden, auch unterschiedlich dicke
Doppelter Schotstekwie Schotstek, hält aber sicherer
Kreuzknotenzwei gleich dicke Enden verbinden, etwa beim Reffen
AchterknotenStopperknoten am Leinenende
Klampe belegenLeine sicher an einer Klampe festmachen

Mensch über Bord mit dem Motorboot

Das Manöver kommt in jeder Praxisprüfung vor. Für die Prüfung hast du zwei Versuche.

  • Sofort laut „Mensch über Bord“ rufen und die Person nicht aus den Augen lassen.
  • Beim Motorboot auskuppeln und das Heck von der Person wegdrehen, damit die Schraube sie nicht trifft.
  • Etwa 5 Bootslängen nach Lee fahren, dann in den Wind drehen.
  • Gegen den Wind langsam anfahren und rechtzeitig auskuppeln. Steht die Person am Bug, nicht mehr einkuppeln.
  • Die Person an der Seite aufnehmen, notfalls mit dem Bootshaken.
Boot und AusrüstungPflichtausrüstung, Kennzeichen und Technik

Pflichtausrüstung an Bord

Das gehört laut Landratsamt Bodenseekreis zur Mindestausrüstung eines zugelassenen Boots.

  • Anker mit Leine oder Kette
  • Festmacherleinen
  • Bootshaken
  • Paddel oder Riemen
  • Mundsignalhorn
  • Kompass
  • Rettungsmittel für jede Person
  • Schwimmkörper mit Wurfleine
  • Notflagge und Notbeleuchtung
  • Werkzeug
  • Verbandszeug
  • Lenzeinrichtung
  • Feuerlöscher

Rettungswesten. Auf Motor- und Segelbooten eine Weste mit Kragen und mindestens 100 N Auftrieb für jede Person ab 40 kg. Für Kinder unter 40 kg eine passende Weste.

Feuerlöscher. Bei Kocher, Heizung, Innenborder über 4,4 kW oder Außenborder über 7,4 kW: mindestens 2 kg Löschmittel je angefangene 100 Liter Tankinhalt.

Kennzeichen und Zulassung

FN-1234

Kennzeichen auf beiden Seiten

Gut sichtbar, mindestens 8 cm hoch, hell auf dunklem oder dunkel auf hellem Grund.

  • Jedes Boot braucht ein Kennzeichen. Ausgenommen sind Boote ohne Motor bis 2,50 m Länge sowie SUPs, Surfbretter, Paddelboote und Rennruderboote ohne Motor. Diese tragen stattdessen Name und Anschrift des Eigentümers.
  • Boote mit Motor oder mit Kajüte, Kocher oder WC müssen zugelassen werden.
  • Motorboote müssen alle 3 Jahre zur Nachuntersuchung.
  • Höchstens 72 dB(A) Betriebsgeräusch, gemessen in 25 m Abstand.

Technik und Abgas

  • Neu zugelassene Motoren müssen die Abgasstufe 2 der Bodensee-Vorschriften erfüllen. Für einige Benziner bis 74 kW gibt es Ausnahmen.
  • Zweitaktgemisch darf höchstens 2 % Öl enthalten (1:50).
  • Automatische Lenzpumpen im Motorraum sind verboten.
  • Boote mit fest eingebauter Toilette brauchen einen Fäkalientank, der an Land abgepumpt wird.
Natur und UmweltSchutzgebiete und sauberes Wasser

Natur und Umwelt

Der Bodensee ist Trinkwasserspeicher für Millionen Menschen. Abfälle und Abwasser gehören in die Behälter an Bord und an Land, nie in den See.

  • Rheinspitz
  • Eriskircher Ried
  • Mündung der Seefelder Aach
  • Wollmatinger Ried
  • Halbinsel Mettnau
  • In diesen Naturschutzgebieten ist das Anlanden mit dem Boot verboten.
  • Schilfgebiete sind für Sportboote tabu.
  • Weiße Bojen markieren Netze und Reusen der Fischer. Mit Abstand vorbeifahren.
  • Fischerboote mit Ball: mindestens 50 m Abstand halten, hinter dem Boot sogar 200 m, weil dort die Netze ausliegen.
Unterwegs im DreiländerseeGrenzen, Flaggen, Häfen, SUP

Unterwegs im Dreiländersee

  • Ohne zollpflichtige Waren fährst du ohne Formalitäten zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ausweis oder Pass immer mitnehmen.
  • Höflich und üblich: die Nationalflagge setzen und im Ausland beim Ein- und Auslaufen die Gastlandflagge unter der Steuerbord-Saling.
  • In Häfen der Kursschiffe darf nicht unter Segel ein- oder ausgefahren werden.
  • Stand-Up-Paddler brauchen außerhalb der 300-m-Uferzone eine Schwimmhilfe. SUPs mit Elektroantrieb und Tauchscooter sind verboten.
  • Wasserskifahren nur bei Tag und guter Sicht, außerhalb der Uferzone oder in freigegebenen Startgassen. Eine Beobachtungsperson ist an Bord, höchstens zwei Skifahrer hängen am Boot, und Boot wie Skifahrer halten mindestens 50 m Abstand zu anderen Booten und zu Badenden.
Notfall und SicherheitNotruf, Notsignale und Pflichten bei Unfällen

Hilfe rufen

Notruf 112. Die Nummer gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz, auch vom Handy. Nenne möglichst genau, wo du bist, zum Beispiel zwischen welchen Orten.

Notsignale

  • Schallzeichen: eine Folge langer Töne.
  • Notflagge und Notbeleuchtung gehören zur Pflichtausrüstung.
  • Drei lange Töne sind das Hafeneinfahrtsignal von Vorrangfahrzeugen, Schleppverbänden und Fahrzeugen in Not.

Pflichten und Tipps

  • Bei einem Unfall Hilfe leisten, soweit das ohne eigene Gefahr möglich ist, und den Unfall der Polizei melden.
  • Hindernisse, die die Schifffahrt gefährden, sofort der nächsten Polizeidienststelle melden.
  • Rettungsweste tragen, besonders bei Wind, Kälte und allein an Bord. Das Wasser ist oft kälter, als es aussieht.
  • Jemandem an Land sagen, wohin du fährst und wann du zurück bist.
Kleines Bootswörterbuch24 Begriffe, die in Prüfung und Praxis vorkommen

Von A bis Z

Aufschießer
Boot in den Wind drehen, bis es stoppt
Backbord
linke Seite des Boots, in Fahrtrichtung gesehen
Beidrehen
Boot so einstellen, dass es kaum Fahrt macht und ruhig treibt
Bug
vorderes Ende des Boots
Eindampfen
gegen eine Leine fahren, um das Boot vom Steg zu drehen
Fall
Leine, mit der ein Segel hochgezogen wird
Fender
Puffer zwischen Boot und Steg
Festmacher
Leine zum Festmachen am Steg
Halse
Segelmanöver, bei dem das Heck durch den Wind dreht
Heck
hinteres Ende des Boots
Klampe
Beschlag zum Festmachen von Leinen
Knoten (kn)
Geschwindigkeit, 1 Knoten sind 1,852 km/h
Lee
die Seite, die vom Wind abgewandt ist
Lenzen
Wasser aus dem Boot pumpen oder schöpfen
Luv
die Seite, aus der der Wind kommt
Pinne
Hebel, mit dem das Ruder bewegt wird
Plicht
offener Sitzbereich im Boot
Q-Wende
Mensch-über-Bord-Manöver mit einer Wende
Reffen
Segelfläche verkleinern, wenn der Wind zunimmt
Schiften
Großbaum kontrolliert auf die andere Seite bringen
Schot
Leine, mit der ein Segel eingestellt wird
Steuerbord
rechte Seite des Boots
Vorrangfahrzeug
Kursschiff oder Fähre, hat immer Vorfahrt
Wende
Segelmanöver, bei dem der Bug durch den Wind dreht